Die Herstellung einer vollkeramischen Dentinkern-Krone

von Ztm. Kurt Reichel, Hermeskeil

Die Herstellung von naturidentischem, ästhetischem Zahnersatz im Frontzahnbereich ist eine „Königsdisziplin“ in der Zahntechnik. Die Wiederherstellung eines einzelnen mittleren Schneidezahns im Oberkiefer ist dabei besonders schwierig. Warum das so ist? Sie verlangt dreidimensionales Formgefühl, Farbempfinden aber vor allen Dingen begibt sich der Techniker in direkten Wettbewerb zur Natur. Links Natur, rechts Handwerk – und somit besteht die Möglichkeit eines direkten Vergleichs. Schlechte Voraussetzungen und daher der höchste Schwierigkeitsgrad.

Neben der richtigen Zahnform, der Oberflächentextur und dem Glanzgrad spielt auch die Zahnfarbe eine erhebliche Rolle bei der natürlichen Wirkung einer Frontzahnrestauration. Maßgeblich für die Farbwirkung der Krone ist u.a. deren dreidimensionaler Schichtaufbau. So beeinflusst insbesondere der Dentinkern die ästhetische Wirkung der Frontzahnkrone ganz erheblich. Um treffsicher zu restaurieren, hat es sich bewährt den Dentinkern in seiner Dreidimensionalität nachzuahmen und dann die Schmelz- und Transpaschichtung zu ergänzen. Genau darum geht es bei der Dentinkern-Krone, die auch manchmal Cutback-Krone genannt wird. Die Vorgehensweise hat unser Tutor Kurt Reichel für Euch in einer Slideshow zusammengefasst. Weitere Beiträge von ihm sind in Vorbereitung.

Das reduzierte vollkeramischen Käppchen dient als Basis

Abb. 1 Das Modell mit einem reduzierten vollkeramischen, dentinfarbenen Käppchen dient uns als Basis für unsere Schichtung. Wie unschwer zu erkennen ist, habe ich bereits eine interne, unregelmässige Mamelonstruktur in das Dentinkäppchen eingearbeitet.

Vorkolorierung der Basis mit Intensivmassen

Abb.2 Wir halten das Käppchen beispielsweise mit einer Klemmpinzette und kolorieren die Basis nun mit geeigneten Intensivmassen etwas vor. Dadurch bekommen die Mamelonstrukturen mehr Tiefe und eine warme Farbwirkung. Farbwahl und Intensität richten sich natürlich immer nach dem Patientenfall und den entsprechenden Aufzeichnungen, die wir uns bei der Farbnahme gemacht haben.

Fertig koloriertes Käppchen

Abb. 3 Das fertig kolorierte Käppchen. Man erkennt die Areale, die wir mit Schmelz- und Transpamassen ergänzen müssen, um die Zahnform zu komplettieren.

Ein Inzisalsaum aus Schmelzmasse

Abb. 4 Nun drehen wir das Modell und arbeiten auf der palatinalen Seite. Wir legen vorsichtig einen Inzisalsaum aus Schmelzmasse an. Dabei nehmen wir in der Regel die Schmelzmasse, die – nach Herstellerangaben – auf die Farbe unseres Dentinkäppchens abgestimmt ist.

Der Inzisalsaum dient als palatinale Stütze

Abb. 5 Der Inzisalsaum dient uns quasi als palatinale Stütze oder Begrenzung, gegen die wir dann später Schmelz-, Intensiv- oder Transpamassen von labial anschichten können.

Der Inzisalteller wird nach zervikal ausgestrichen

Abb. 6 Wir drehen das Modell wieder um und streichen den Inisalteller nach zervikal leicht aus, um einen sanften Übergang zu schaffen und eine gute Benetzung zu den Mamelonstrukturen des Dentinkerns zu bekommen.

Intensivierung der Mamelons

Abb. 7 Wir wollen die Mamelons noch etwas intensivieren. Dazu legen wir Keramikmasse mit einer etwas höheren Opazität im Bereich der Mamelons auf. Wir wollen damit zum einen den Transparenzeffekt steuern und zum anderen einen Wechsel zwischen transparenten und opaken Zonen erzeugen.

Dreidimensionale Mamelonstrukturen

Abb. 8 Dies geschieht nicht flächig zweidimensional, sondern körperhaft mit einer leichten Wölbung, um die Mamelonstrukturen dreidimensional erscheinen zu lassen.

Ein helles Band aus Schmelzmasse als optische Abgrenzung zum Dentin

Abb.9 Wir legen unterhalb der Mamelonstrukturen, in etwa im oberen Drittel der Krone ein helles Band aus Schmelzmasse an. Der hellere Bereich soll eine optische Abgrenzung zum Dentin schaffen. Tatsächlich ist bei natürlichen Zähnen dieser hellere Bereich häufig zu beobachten und verleiht dem Zahn eine gewisse Brillanz.

Mesial und distal laterale Leisten

Abb. 10 Wir ergänzen unsere Schichtung mesial und distal um die lateralen Leisten in einer Stärke von etwas 0,3-0,4 Millimeter.

Etwas Lebendigkeit im Interdentalbereich: Transpa- oder Opaltranspamassen

Abb. 11 In diesem Fall verwende ich eine bläulich-transparente Masse, um den Interdentalbereichen etwas Lebendigkeit zu verschaffen. Es handelt sich dabei in der Regel um Transpa- oder Opaltranspamassen.

Komplettierung des mittleren Bereichs der Labialfläche mit Schmelzmasse.

Abb.12 Nun komplettieren wir den mittleren Bereich der Labialfläche mit einer helleren Schmelzmasse. Grundsätzlich sollten die Massen immer ein in etwa gleichmäßiges Feuchtigkeitsniveau aufweisen. Dadurch vermeidet man Porosität und sorgt für eine brillante Farbwirkung. Wichtig ist auch die Masse in einer Portion aufzunehmen, sie ohne viel Druck zu verstreichen um dann die überschüssige Flüssigkeit abzusaugen. Dermaßen stabilisiert können die seitlichen und darunter liegenden Strukturen nicht etwa zufällig verschoben werden.

Die fertig geschichtete Dentinkern-Krone

Abb. 13 Die fertig geschichtete Dentinkern-Krone. Es wurde dabei lediglich auf den vorbreiteten Dentinkern Schmelz- und Transpamassen aufgeschichtet, um die anatomische Zahnform wieder zu ergänzen. Dabei wurde mit verschiedenen Opazitäts- und Transpawerten gearbeitet um der Krone Lebendigkeit und Körperlichkeit zu verleihen.

Abb. 14 Das Ergebnis unserer Bemühungen. Wir haben versucht bei unserer Dentinkern-Krone die transparenten und opaken Areale dem natürlichen Nachbarzahn anzupassen. Ich finde dies ist auf relativ einfache Weise gelungen. Probiert´s einfach auch einmal.

Ergänzend hier noch einen Literaturhinweis zu einem spannenden Beitrag unseres sehr geschätzten Kollegen Josef Schweiger, der sich intensiv mit der Thematik der Dentinkern-Krone auseinandergesetzt hat. Danke für die stetige Inspiration, lieber Sepp.
Schweiger, Josef et al.: Automatisierte Fertigung von mehrschichtigem Frontzahnersatz mithilfe digitaler Dentinkerne. In: Quintessenz Zahntech, 40. Jg. 2014, Heft 10, Seite 1248-1266

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Kurt Reichel betreibt ein renommiertes Labor in Hermeskeil. Er und sein Team sind spezialisiert auf ästhetischen und funktionellen Zahnersatz. Er ist ein hervorragender Referent und Ausbilder und einer unserer AHA!-Tutoren.

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