ZOOM!
Mein Ziel:
Ein gesundes,
natürliches Lächeln…

Das Colloquium dental 2015 war ein „Feuerwerk zahntechnischer Leidenschaft“, wie mir die Teilnehmer nachträglich bestätigten. Danke dafür! Es hat mir Spass gemacht noch einmal ein attraktives Programm für diese Veranstaltung zusammen zu stellen. Die „Stars“ dieser Veranstaltungsserie sind und bleiben für mich aber die Referenten. Ein in Deutschland nur in Insiderkreisen bekannter Referent reiste diesmal auf die spezielle Einladung des „dental excellence International Laboratory Network“ nach Nürnberg: Die Rede ist von Naoki Hayashi. Mit einem perfekten Bühnensauftritt in Widescreen und Dolby Surround, in gewaltiger Bildsprache und mit wunderschöner Zahntechnik begeisterte er das Publikum. Doch am Folgetag sollte der sympathische US-Japaner auch noch im Labor von Udo Plaster* sein praktisches Meisterstück abliefern. Die „dental excellence“-Gruppe hatte zum eintägigen Demonstrations-Workshop geladen und Naoki Hayashi machte bereitwillig seine Trickkiste auf. Für uns Gelegenheit Hayashi einmal in die Karten zu schauen. Unser ZOOM!-Interview wurde in englischer Sprache geführt und wurde bewusst auch im Original belassen. Wer sich im Englischen nicht ganz so zu Hause fühlt, für den haben wir den Inhalt hier noch einmal textlich zusammengefasst.

*Lieber Udo, Dir und Deiner Familie sagen wir herzlichen Dank für die umsichtige Gastfreundschaft in Euren wunderschönen Räumlichkeiten!

Naoki Hayashi? Er ist Fotograf, Künstler, begnadeter Keramiker und auch Buchautor – aber er begreift sich selbst schlicht und einfach als Zahntechniker.

„Jemand hat mir mal gesagt: Naoki, Du bist ein Künstler! Ich bin da anderer Meinung. Ich bin vorwiegend Zahntechniker. Natürlich benutze ich die Fotografie und manchmal auch das bewegte Bild oder die Gestaltungsmöglichkeiten am Computer. Aber dies ist nicht meine eigentliche Arbeit. Ich spiele gerne mit diesen gestalterischen Möglichkeiten. Das macht mir Spass. Mein Name ist Naoki Hayashi, ich bin Zahntechniker und ich arbeite im „Ultimate Styles Laboratory“ in Irvine, Kalifornien/USA. Ich arbeite seit 15 Jahren in den USA. Zuvor absolvierte ich die Osaka Dental University (1993). Danach arbeitete ich acht Jahre lang in einem Dentallabor in Japan. Dann zog es mich in die USA. In Japan gab und gibt es sehr viele Zahntechniker und in meinen jungen Jahren gab es eine Menge Arbeit für mich. Aber nicht das was ich eigentlich machen wollte. In Japan möchten die Patienten möglichst ihre natürlichen Zähne erhalten. Man beschleift dort keine gesunden Zähne. Aber in den USA ist das etwas anders. Ganz besonders in Kalifornien wollen die Patienten schon eher das perfekte Lächeln und sie haben einen sehr hohen Anspruch an ihre Zahngesundheit (Dental IQ). Somit konnte ich in Kalifornien sehr viel Erfahrungen sammeln und mich auch entsprechend weiterentwickeln. Dies war auch einer der Gründe in die USA zu gehen. Teil meines Arbeitskonzeptes ist es, das natürlich schöne Lächeln des Patienten zu unterstützen. Manche Patienten wollen, dass ich ihr Lächeln dabei weiter perfektioniere. Wenn sie lächeln wollen Sie um jeden Preis „weiße Zähne“ zeigen. Aber mein Konzept zielt eher auf ein gesundes, natürliches Lächeln. Die Leute wollen immer wissen: „Naoki, wie machst Du das?“ Ehrlich gesagt hab ich gar kein besonderes Geheimnis. Es ist vielleicht meine innere Motivation und der Umstand, dass ich jedes künstlich wirkende Lächeln ablehne. Der Patient, die Gestaltung von Zahnersatz und letztendlich die Fotografie – ich möchte einfach das was Schönes dabei rauskommt. Ich habe mich sehr mit Fotografie und auch mit Farbwirkung befasst. Das Ergebnis ist mein persönlicher Stil Zähne zu rekonstruieren und mit Hilfe der Fotografie in Szene zu setzen. Das macht mir viel Spaß. Die Patienten haben mir viel beigebracht. Egal ob ich einen Fehler gemacht oder einen Erfolg verbuchen durfte – in beiden Fällen habe ich etwas daraus gelernt. Die Sichtweise des Patienten und seine Gefühle waren Teil jeder Lektion. Genauso wie das Wissen um die Bedeutung einer Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt und des gegenseitigen Verständnisses, das man aufbauen muss. Ich denke es ist das Teamwork zwischen Zahnarzt, Zahntechniker und Patient, das den Ausschlag gibt. Will man erfolgreich sein, muss man den anderen verstehen lernen und mit ihm zusammen arbeiten. Wenn es uns gelingt eine Verständnisebene zum Patienten aufzubauen, haben wir bereits 80 Prozent des Behandlungserfolgs im Kasten, ohne mit der Behandlung angefangen zu haben. Der Patient ist der Schlüssel zum Erfolg.“

Past << Future – Envision 77 Heart Beats:  Als ich dieses Buch noch zu meiner Zeit als Verleger vom Ishiyaku Verlag in Japan angeboten bekam, dachte ich nur: WOW – was für ein Buch! Neutral betrachtet ist es ein Bildband über die Schönheit der Zähne. Naoki Hayashi vermittelt darin ästhetisches Empfinden als Lebenseinstellung und transferiert diese Emotionen auf die Herstellung von Zahnersatz. Lesenswert!

„Manchmal werde ich gefragt: Naoki, was bedeutet Deine Arbeit für Dich? Ich antworte immer: Sie ist mein Leben. Ich versuche immer 100 Prozent zu geben, denn ich bin ein Perfektionist. Wenn ich auch nur das kleinste Problem erahne, bin ich so pingelig und muss es unbedingt lösen. Oder aber ich mach die Arbeit nochmal. Ich will sie perfekt haben – für mich selbst. Ich habe vor kurzem mein zweites Buch publiziert. Es heißt Past << Future und wurde von Ishiyaku Publishers, einem japanischen Verlag herausgegeben. Hier in Deutschland wird es vom teamwork media Verlag vertrieben. Das Buch ist nicht nur für Dental, sondern auch für die Allgemeinheit geschrieben. Ich denke, dass die meisten Leute keine Ahnung haben, was wir Zahntechniker überhaupt machen. Wenn nun irgendjemand das Buch in die Hand nimmt, versteht er natürlich nicht den dentalen Part. Seine Erkenntnis ist vielmehr: „Oh, das ist wirklich schön, was die da machen!“ Und das will ich der Allgemeinheit vermitteln. Und noch etwas bewegt mich: Wenn junge Kolleginnen und Kollegen mein Buch haben, es Ihren Freunden zeigen und sagen können: Schaut mal – so sieht unsere Tätigkeit aus, dann können sie stolz auf ihren Beruf sein. Das war mein eigentliches Ziel. Darum habe ich das Buch gemacht.“

Natürliche wirkende Zähne?
Eine Herausforderung!

Ein Patientenfall von Naoki Hayashi / RDT, MDC

 

Bei der Restauration im Frontzahnbereich kann man seit Jahren auf vielfältige Verfahrensweisen zurückgreifen. Idealerweise wird man für den jeweiligen Patientenfall die Verfahrensweise auswählen, die das bestmögliche Resultat verspricht. Durch finanzielle oder terminliche Vorgaben des Patienten rückt man aber häufig von der idealen Vorgehensweise ab. Trotz dieser Limitationen müssen Zahnarzt und Zahntechniker im Alltag immer ihr Bestes geben, um ein Ergebnis zu erreichen, das dem Patientenwunsch entspricht. In vielen Publikationen wird über Fälle berichtet, die unter annähernd idealen Bedingungen restauriert werden konnten. Ich möchte hier bewusst einen Fall präsentieren, der gewisse Einschränkungen beinhaltete. Man könnte auch sagen: Ein realistischer Fall, der unserem Alltag entspringt.
Abbildung 1 bis 4: Die Restauration hat eindeutig einen ästhetischen Schwerpunkt. Wir sehen hier die Situation nach der PA-Behandlung. Weitere Behandlungsschritte wurden noch nicht eingeleitet. Die Zahnstellung kann eher als ungünstig eingestuft werden. Wir erkennen interdental große schwarze Dreiecke u. a. entstanden durch eine ganze Reihe desolater Komposit-Füllungen und durch die Resorption des Knochens. Auf weitere Implantate musste auf Wunsch des Patienten verzichtet werden. Daher waren wir auf eine Kronen- und Brückenkonstruktion limitiert.

Abbildung 5: Die Situation nach Montage der Modelle im Artikulator. Auf Anhieb findet sich keine zentrische Position. Daher wird die Zentrik auf den Modellen im Artikulator selektiv eingeschliffen. Durch das penible Markieren der eingeschliffenen Bereiche hat der Zahnarzt die Möglichkeit die vom Zahntechniker eingeschliffene Zentrik auf die Mundsituation zu übertragen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 6 bis 8: Zur Vorbereitung eines Präparations-Guides (eine Präparationsempfehlung für den Zahnarzt) wird mit Hilfe eines Situationsmodells ein Modell hergestellt, das auch die alveolären Anteilen abbildet.

Abbildungen 9 bis 11: Hier sehen wir den fertigen Präparations-Guide. Um dem Zahnarzt unsere Idealvorstellung eines zahntechnisch wünschenswerten Präparations-Designs zu vermitteln, ist der Präparations-Guide ein sehr wichtiges Kommunikationsmittel. Auch wenn verschiedene Restaurations- und Werkstoffvarianten miteinander kombiniert werden sollen (z.B. Kombinationen aus Kronen, Veneers, implantatgetragenen Restaurationen) oder – wie bei diesem Fall – wenn der Gingivaverlauf optimiert werden muss, erleichter der Präparations-Guide das Verständnis. Für den Zahnarzt ist es natürlich nahezu unmöglich die Vorgaben des zahntechnischen Präparations-Guides 1:1 auf die in situ Situation anzuwenden. Jedoch kann der Zahntechniker ihm eine klare Vorstellung des benötigten Präparationsdesigns kommunizieren. In Fällen, bei denen kein Präparations-Guide vorbereitet wurde, entspricht die vom Zahnarzt vorgenommene Präparation sehr selten den Vorstellungen des Zahntechnikers und somit den prothetischen Anforderungen. Für den Erfolg der Restauration macht es einen gewaltiger Unterschied, ob man diesen Arbeitsschritt einbaut oder darauf verzichtet.

Abbildungen 12 und 13: Wir duplizieren den Präparations-Guide und fertigen auf dem Duplikat ein diagnostisches Wax-up an. Unsere Aufgabe ist es die Form und die genaue Position der zu restaurierenden Zähne herauszuarbeiten. Bei der finalen Restauration, die weitgehend den Vorgaben des diagnostischen Wax-up entsprechen sollte, ist der Zahntechniker logischerweise auf das möglichst exakt umgesetzte in situ Präparationsdesign des Zahnarztes angewiesen.
Abbildung 14: Das von Dr. Jon Yoshimura umgesetzte Präparationsdesign. Es ist fast perfekt gelungen die Vorgaben des Präparations-Guides zu übernehmen. Wir können ohne Probleme weiterarbeiten.
Abbildungen 15 und 16: Wir verblenden das Katana-Zirconia-Gerüst mit der Zirkonoxidkeramik Noritake CZR
Abbildung 17 und 18: Eine individuelle Charakterisierung wird durch das Aufbringen von Malfarben (Internal Stain) auf den Dentinkern vorgenommen
Bild 19 Eine dünne Schicht der Noritake Luster Schmelzmassen dient der finalen Formgebung
Abbildungen 20 bis 25: Die Fertigstellung der Noritake KATANA Kronen- und Brückenrestauration. Wir überprüfen die Okklusion, die Funktionsbewegungen und die Aspekte einer oralen Harmonie aus allen möglichen Blickwinkeln. Wir optimieren die Zahnform, die Farbwirkung, die Position, die Oberflächentextur, den Glanzgrad und die individuelle Wirkung jedes einzelnen Zahnes.

Abbildungen 26 bis  28: Die Restauration vier Jahre nach dem Einsetzen. Wir erinnern uns: Vor dem Eingriff wurde eine Resorption des Knochens diagnostiziert, das Zahnfleisch zeigte sich entzündet. Auf Patientenwunsch wurde trotz diagnostizierter Resorption in der Therapie auf eine gesteuerte Knochenregeneration und auf den Einsatz von Implantaten verzichtet. Somit bleiben beim Zahnfleisch und den Papillen aus unserer Sicht kleine Wünsche offen. Für uns war es durchaus ein schwieriger Fall. Der Patient ist jedoch mit dem derzeitigen Ergebnis nach Behandlung sehr zufrieden. Funktionelle oder medizinische Beschwerden wurden nicht mehr diagnostiziert.

Ein stimmungsvoller Kurs. Ein genialer Referent. Einige Kursimpressionen:

Zahntechnik lebt...

Zahntechnik lebt...

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